Internet Symphony for large orchestra based on themes by Harald Genzmer (1999)
Collaborative composition by Bertold Hummel, Roland Leistner-Mayer and Moritz Eggert
I. Andante con moto, II. Adagio, III. Finale
3 flutes (3rd + piccolo), 2 oboes, clarinet, bass clarinet, 2 bassoons, contrabassoon - 4 horns, 2 trumpets, 3 trombones - 1 timpani, 3 percussionists - strings (10.8.6.5.4)
Duration: 20 minutes
Hofer Symphony Orchestra | Howard Golden
Vogt & Fritz VF-1282-10 / ISMN: 979-0-005-07384-0
There was a lot of vital music.
The work is extremely effective and virtually jumps out at the listener with its percussion accents.
It is impossible to predict how the virtual audience will feel about it. In the concert hall, the work was an immediate success.
As if by a miracle, it did not remain a random selection of pieces. The listener at the premiere was presented with a puzzle in which the seams between the countless individual segments seemed to be smoothed and polished beyond recognition. The symphony surprised on Saturday - not least thanks to Howard Golden, who conducted the above-average orchestra with superiority and meticulousness - through the original variety of its richness of events as well as through the unity of its overall form. Although the motivic developments and realisations were not exactly easy to understand, there was always a subliminal coherence in the often disjointed, yet captivating moods. The musicians served this purpose by giving the detailed contours and colours of the sound the same importance as the theme (for example through the varied use of percussion).
Condensation and acceleration, tumult and harshness here - there a sudden, almost astonished standstill, a floating on a carpet of sound: For the performance never ran out of propulsive breath - not in the rather restrained first two movements - related like siblings, often eerily darkly coloured -; certainly not in the neoclassically illuminated and agitated finale; a burlesque with a bitter aftertaste.
In addition to the four contemporary composers, many of their predecessors and role models also played a part in all of this: the hidden allusion, the interlude, even the quotation is an important stylistic device in the work, which sometimes appears with the robustness of Hindemith or the sharpness of Shostakovich, then dresses itself in the dignity of Wagner or Bruckner or, in wonderfully suggestive moments, pays homage to Debussy, Messiaen, Toru Takemitsu - masters of music of the spheres.
An attentive audience demanded the symphony and found it in Hof. It did not serve him with pleasing music to welcome a "new era" after the 2000 threshold. On the contrary: it revealed quite serious, almost apocalyptic traits: as if it wanted to recapitulate the past, the progress and regression of the 20th century, destruction and hope.
Michael Thumser
They still work traditionally with pencil and paper, reports Moritz Eggert, who at 33 represents the young generation of composers. He is the only one of the four who works regularly with the Internet and also maintains his own homepage. Older colleagues such as Bertold Hummel are rather suspicious of the World Wide Web: he is at an age where people are surprised at how much time young people spend in front of the computer.
Dem von der Staatsregierung ausgegebenem Motto "Erbe und Auftrag" für die Millenniumsfeierlichkeiten wollte auch der Bayerische Musikrat mit einem Beitrag aus dem Musikleben Bayerns Rechnung tragen. Es entstand das Konzept des Generalsekretärs des Bayerischen Musikrates, Jörg Riedlbauer, mit den vier Komponisten Harald Genzmer, Bertold Hummel, Roland Leistner-Mayer und Moritz Eggert, die alle Generationen Bayerischer Tonsetzer des 20. Jahrhunderts vertreten, ein gemeinsames Projekt zu veranstalten. Es wurde das Internet als zentrales Medium des 21. Jahrhunderts gewählt, um erstmals eine noch nie dagewesene Form der weltweiten Kunstvermittlung zu nutzen.
Harald Genzmer entwickelte drei Themen für eine dreisätzige Symphonie. Den ersten Satz begann Bertold Hummel, den zweiten Moritz Eggert und den dritten Roland Leistner-Mayer. Die drei Kollegen tauschten ihre Partituren untereinander aus, und jeder führte die Gedanken seines Vorgängers weiter.
Den 1. Satz begann Bertold Hummel. In ruhig fließender Bewegung (Andante con moto) entwickelt sich über einem Klangfeld der Bässe in der Bassklarinette und den tiefen Streichern das von Harald Genzmer vorgegebene Thema des 1. Satzes zunächst betont zurückhaltend. Mittlere und höhere klangfarbliche Register werden sukzessive erschlossen; das Schlagzeug setzt aparte Akzente, bis schließlich die Genzmersche 12-Ton-Reihe strukturbildend für den Glanz des vollen Orchesters wird. Auf artifizielle Weise reizt nun Hummel die verschiedensten Möglichkeiten und Spielarten der Genzmerschen Vorlage aus, gewinnt dabei dem Orchester neben wirkungssicheren Tuttipassagen auch immer wieder konzertierende Qualitäten ab. Motive spalten sich ab, wandern wieselflink durch die einzelnen Orchestergruppen, werden einem fortwährenden Steigerungsprozess unterworfen und finden schließlich wieder in ein ruhigeres Fahrwasser, was zugleich einen Übergang in den Mittelteil von Moritz Eggert herbeiführt. Dieses Mittelstück des 1. Satzes ist bewusst scherzandesk ausgefallen, wobei die häufigen Wechsel von Rhythmik und Metrum einen aparten Reiz ausüben. Auch Eggert spaltet kleinzelliges motivisches Material ab; gelegentliche Anknüpfungen an Entwicklungstechniken Hummels tragen zum inneren Zusammenhang bei. Das kapriziöse Spiel innerhalb der einzelnen Instrumentengruppen verdichtet sich und findet nach einem burlesken Tutti zu einer reizvollen Gegenüberstellung zwischen Hörnern, tiefen Streichern und der Fagottgruppe, bis Roland Leistner-Mayers Beitrag wieder das Eingangstempo Hummels anschlagen und nach diversen raffinierten rhythmischen Spielarten den Satz ruhig ausklingen lässt.
Den Mittelsatz konzipierte Moritz Eggert mit seinem Beginn zunächst als ein breit angelegtes Adagio, das sich subtil aus einem Holzbläser-Stimmengeflecht entwickelt, alsbald von Hörner- und Stabspielakzenten koloriert. Doch schon bald dominiert der breit aufgefächerte Streicherapparat das klangliche Geschehen, von Bläser- und Schlagzeugakzenten massiv angeheizt, was Bertold Hummel in seinem Mittelstück aufgreift, dabei ebenfalls mit etlichen Taktwechseln die Bewegung intensiviert und das Adagio alsbald in einen bewegteren Zwischensatz überführt. Diese bewegte Passage mündet in ein ruhiges Klangfeld, das im Schlussteil durch Roland Leistner-Mayer auf subtile Weise rhythmisch bewegt wird, abermals zu einer piu mosso-Steigerung geführt wird und im ruhigen Wechselspiel von tiefen Streichregistern, der Hörner- und Posaunengruppe sowie der Soloklarinette verklingt.
Ebenfalls dynamisch verhalten, doch rhythmisch ungemein intensiv und spannungsreich, findet Leistner-Mayer sodann den Einstieg ins Finale, das er presto beginnen lässt und intensiv unter Spannung setzt. Dieser rhythmische Schwung bewirkt ein kontinuierliches Pulsieren, das im Mittelstück von Bertold Hummel, das als "Oase der Ruhe" wirkt, weitergeführt und schlussbildend von Moritz Eggert zum lebhaft bewegten Ende gebracht wird, wobei er, vergleichbar der Art des "Zappens" mit der Fernseher-Fernbedienung, die verschiedensten Elemente des bisher Gehörten aus dem ursprünglichen Zusammenhang herauslöst, zerstückelt und auf neue Weise zusammensetzt.
(aus dem Programmheft der Uraufführung durch die Hofer Symphoniker)
Natürlich war ich anfangs eher skeptisch, ob so etwas funktioniert, denn jeder Komponist gibt einen Teil seines schöpferischen Werkes zu gunsten des gemeinsamen Ergebnisses auf, doch diese Art zu arbeiten war sehr interessant, und ich bin nun sehr zuversichtlich: Das Werk scheint gelungen zu sein.
Bertold Hummel (Frankenpost 21.12.1999)
Die vorgegebenen Themen von Harald Genzmer: