Günter Jena

2. Januar 1933 Leipzig - 7. Mai 2026 Freiburg im Breisgau

Günter Jena und Bertold Hummel lernen sich im Jahr 1963 in Würzburg kennen. Zu dieser Zeit ist der 30jährige Kirchenmusiker seit zwei Jahren Kantor an der evangelischen Hauptkirche St. Johannis und hat große Ambitionen, in Würzburg (nach München und Ansbach) ein weiteres bayerisches Zentrum der Bachpflege zu installieren. Hummel (Violoncello) und seine Frau Inken (Violine) gehören spätestens ab 1964 zum Kern des späteren Bachorchesters der St. Johanniskirche. Sie musizieren mit Jena (Dirigent und Cembalist) in zahlreichen Kantatengottesdiensten, Oratorienaufführungen und Kammerkonzerten. Am 11. November 1966 wird die Johann-Sebastian-Bach-Gesellschaft Würzburg e.V. gegründet. Jena und Hummel sind Mitunterzeichner der Urkunde. 1971 erteilt die Bach-Gesellschaft auf Anregung Jenas Hummel einen Kompositionsauftrag. Im Rahmen der 5. Würzburger Bachtage werden seine Metamorphosen über den Namen "B-A-C-H" für Orgel und Bläser op. 40 im Würzburger Dom uraufgeführt. 
Im Jahr 1974 wird Günter Jena zum Kirchenmusikdirektor an der traditionsreichen St. Michaeliskirche in Hamburg berufen. Für seine neu eingerichtete Konzertreihe „Musik und Dichtung“ bittet er Hummel um zwei weitere Kompositionen, die sich mit den bekannten Weihnachtsliedern „Stille Nacht“ und „O du fröhliche“ auseinandersetzen. 
Ein loser freundschaftlicher Kontakt bricht nie ab. Im Oktober 2019 schreibt Günter Jena an Inken Hummel: Viele Menschen, denen ich begegnet bin, haben mich auf ihre Weise bereichert. Und so leben in meiner Erinnerung an die Würzburger Jahre unweigerlich Ihr Mann und Sie auf. Ohne Ihre tatkräftige Unterstützung im Orchester, ohne manchen Rat des Erfahreneren und nicht zuletzt ohne die kompositorische Hilfe bei der Verehrung des Namens b-a-c-h oder bei der Erträglichmachung eines stilistisch nicht ganz makellosen, aber mit Emotionen überfrachteten Weihnachtsliedes – immer standen Hummels tatkräftig zur Seite! Für all das dank ich Ihnen von Herzen!
 

Biografie

Günter Jena wurde 1933 in Leipzig geboren. Nach Besuch der dortigen Thomasschule studierte er Musikwissenschaft, Philosophie und Psychologie an der Freien Universität in Westberlin, danach Kirchenmusik und Dirigieren an der Musikhochschule München bei Karl Richter, dessen Assistent er wurde. Von 1961 bis 1974 war er Kantor an der St.-Johanniskirche in Würzburg, gründete dort den "Bachchor Würzburg" und begründete die "Bachtage Würzburg". Der Stadtrat Würzburg verlieh ihm den Kulturpreis. Von 1974 bis 1998 war Jena Kirchenmusikdirektor an der St. Michaeliskirche in Hamburg. Dort führte er mit dem "St.-Michaelis-Chor" (jetzt: Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor) in zahlreichen Konzerten insbesondere die großen Oratorien von Bach bis Strawinsky auf. Schwerpunkt seiner Arbeit bildeten die Werke J.S. Bachs, mit deren regelmäßigen Aufführungen er Hamburg zum "Mekka für Bachliebhaber" (Frankfurter Allgemeine Zeitung) werden ließ.

Neben Musik gilt Jenas Interesse der Literatur; er kreierte in Hamburg eine Musikreihe "Musik und Dichtung" mit namhaften Schauspielern wie Elisabeth Flickenschild, Karl-Heinz Böhm, Will Quadflieg, Gert Westphal, Heinz Rühmann und anderen.

Eine enge Zusammenarbeit verband Günter Jena mit dem Choreografen John Neumeier. Neben andern geistlichen Balletten (Magnificat, Requiem, Messias, Dona nobis pacem) insbesondere bei der 1981 entstandenen Choreografie der Matthäuspassion.

Konzerte und Ballette dirigierte er u.a. in Paris (Salle Pleyel, Théâtre du Châtelet, Opéra Garnier und Opéra Bastille); Avignon (Palais des Papes); Madrid (Teatro Real); Tokyo (NHK Hall, Bunka Kaikan, Hitomi Memorial Hall); Osaka (Festival Hall); Hiroshima (Yubin Chokin Kaikan); Berlin (Staatsoper); Dresden (Semper Oper); Stuttgart (Staatsoper), Ludwigshafen (Theater im Pfalzbau), Wien, (Musikverein, Museumsquartier), Oberammergau (Passionstheater). Das Ballett Matthäuspassion wurde zudem weltweit mit einer Rundfunkaufnahme unter seiner Leitung aufgeführt. Jena war Mitglied und bis 1998 Vizepräsident der Freien Akademie der Künste in Hamburg, die ihm ihre Plakette verlieh. In Anerkennung seiner Tätigkeit verlieh ihm der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg den Professorentitel sowie die Brahms-Medaille (die höchste Hamburger Auszeichnung für aktive Musiker). In den letzten Jahren verlagerte sich die Tätigkeit Jenas vom aktiven Musizieren auf Vorträge über Musik. Vorträge oder Seminare hielt er u.a. in Bern, Stuttgart, Hannover, Hamburg (Freie Akademie der Künste, Evang. Akademie), Würzburg, Lindau (Kongress für Tiefenpsychologie). Jena schrieb fünf Bücher, die sich mit dem Werk J.S. Bachs beschäftigen. Nach seiner Pensionierung lebte er zunächst 10 Jahre in Italien und von 2007 bis zu seinem Tod im Jahr 2026 im Schwarzwald.

 

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