Bertold Hummel und seine Studierenden

Für die Tätigkeit als Kompositionslehrer habe ich viel Zeit und Intensität aufgewendet. Dabei kam es mir besonders darauf an, die angehenden Komponisten zunächst handwerklich zu schulen, ihre individuelle Veranlagung zu fördern, ihnen die Möglichkeiten der Realisation ihrer Stücke zu eröffnen und sie in möglichst großer geistiger Freiheit auf ihrem Weg zu begleiten.

Bertold Hummel (1998)

Viel verdanke ich meinen Kompositionsstudenten - meinen "Zauberlehrlingen" -  das gemeinsame, oft langwierige und schmerzhafte Suchen im offenen Dialog nach Lösungen, nach Wahrheiten, nach dem Eigentlichen, war für mich immer wieder ein Jungbrunnen, der mich für manche Mühsal und Bedrängnis, die meine Ämter mit sich brachten, entschädigt hat.

Bertold Hummel (1988)

Name

Studienzeitraum bei Bertold Hummel

Nicolai Appolyon *1945

1963

Judith Arnold *1961

1980-1988

Navid Bastani

1971-1974

Hermann Beyer *1953

1971-1976

Jeff Beer *1952

1971-1985

Juan-Manuel Chávez *1958

1985-1987

Vasilis Damamaras *1944

1979-1984

Norbert Düchtel *1949

1964-1970

Wolfgang-Heinrich Ebert *1950

1974-1977

Otmar Faulstich *1938

1963-1966

Volker Felgenhauer *1965

1985-1989

Christian Fröhlich *1949

1970-1974

Armin Fuchs *1960

1979-1987

Klaus Gramß *1963

1987-1988

Georg Haider *1965

1986-1988

Michael Helmprecht *1961

1983-1985

Stefan Hippe *1966

1986-1988

Thomas Hitzlberger *1959

1975-1984

Erwin Horn *1940

1968-1977

Cornelius Hummel *1957

-

Stefan David Hummel *1968

-

Richard Jackman *1950

1978-1980

Claus Kühnl *1957

1973-1980

Arno Leicht *1950

1964-1978

Horst Lohse *1943

1972-1976

Klaus Ospald *1956

1979-1986

Rainer Petzolt *1957

1982-1988

Wolfgang Pinkow *1948

1969-1973

Marcus Maria Reißenberger *1962

1983-1988

Bettina Rohrbeck *1965

1986-1988

Scott Roller *1959

1984-1986

Rolf Rudin *1961

1986-1988

Helmut Schmitt *1959

1983-1987

Jürgen Schmitt *1954

1975-1984

Tobias PM Schneid *1963

1985-1988

Ulrich Schultheiß *1956

1978-1987

Martin Schrack *1951

1975-1978

Franz Erasmus Spannheimer *1946

1964-1968

Stamatis Spanoudakis *1948

1975-1976

Sebastian Sprenger *1972

1986-1988

Lydia Steiger *1954

-

Georg Themelis *1965

1987-1988

Gernot Tschirwitz *1944

1964-1967

Ueckermann, Ernst *1954

1973-1985

Thomas Uhlmann *1951

1974

Toni Völker *1948

1971-1977

Bernhard Weidner *1965

1987-1988

Jürgen Weimer (1941-2014)

1972-1973

Christoph Weinhart *1958

1982-1988

Stephan Wunderlich *1952

1964-1976

Christoph Wünsch *1955

1979-1984

Yang-Seok Yoon *1936

Zitate

In der langen Zeit seines pädagogischen Wirkens hat er sich nie anmaßend über andere Menschen erhoben, trotz eines ausgeprägten Selbstbewußtseins. Auf der anderen Seite könnte man seine persönliche Haltung bisweilen als eigensinnig, ja sogar einseitig kritisieren: so geschah es im Unterricht zwar nie, daß ein Zeitgenosse abfällig behandelt wurde, bestimmte Richtungen, wie zum Beispiel die amerikanische Avantgarde, wurden allerdings erst gar nicht besprochen, sodaß die Meinung des Meisters gleichsam indirekt zum Ausdruck kam. Hier muß jedoch sofort ergänzt werden, daß sich Bertold Hummel als Lehrer nie verschloß; wollte ein Student eine bestimmte Frage mit ihm erörtern und brachte die entsprechenden Partituren oder Texte mit, stieß er mit Sicherheit auf ein offenes Ohr. Analysen im strengen Sinne gab es in der Kompositionsstunde nicht. (Hierfür standen Seminare bei anderen Professoren zur Verfügung.) Man sprach über die Werke, hörte sie, diskutierte und suchte die Zusammenhänge zwischen Form und Inhalt zu ergründen. Die eigenen Werke der Studenten hatten Vorrang in den Besprechungen. Die wertvollsten Hinweise Hummels hatten mit der Instrumentation zu tun, worin er ein großer Meister ist. Aber bei der theoretischen Erörterung ließ er es nicht bewenden: er sorgte früh für Aufführungsmöglichkeiten, stand bei Proben immer hilfreich zur Seite, sodaß ein(e) junge(r) Komponist(in) wie von selbst ins Metier hineinwuchs. 

Claus Kühnl 1990

Hummels humorvolle Art begleitete die Zeit, die er sich großzügig für jeden seiner Schüler nahm. Trotz seine vielfältigen künstlerischen und administrativen Aufgaben führte er seine Studenten idealistisch und individuell; jeden auf seinem eigenen Weg. Die Gelassenheit mit der er jede musikalische Richtung stil-sicher anging war stets sehr beeindruckend.

Ernst Ueckermann 2002

Die Kompositionsabende spiegelten immer den toleranten Pluralismus des Komposititionslehrers Bertold Hummel. Er versuchte immer den Weg jedes einzelnen Schülers zu erahnen und ihm dann auf diesem seine Hilfestellung anzubieten. Man rieb sich in vielen Punkten aneinander, nie aber aus reinem Selbstzweck zur Darstellung ästhetischer Dogmen. Seine fördernde und stimulierende Akzeptanz bekam man des öfteren; ein wirklich begeistertes Lob war dagegen nur schwer zu erringen und deswegen um so ersehnter. Aber wenn es denn einmal kam, wurde es in voller Ehrlichkeit und aus Überzeugung ausgesprochen. 

Rolf Rudin 1995

Bertold Hummel war ein Lehrer, der neuen Entwicklungen aufgeschlossen und neugierig gegenüberstand. Schon in den 60er Jahren, kurz nach seiner Berufung an das Würzburger Konservatorium, lud er Karlheinz Stockhausen zum Konzert in den (abgedunkelten) Großen Saal ein - nach Ohren- und Augenzeugen-berichten ein schockierendes Ereignis. Auch Alois Haba, der tschechische Pionier der mikrotonalen Musik, trat in der HfM auf. Im ersten Semester meines Kompositionsstudiums veranlasste Hummel den Kauf eines Analog-Synthesizers (EMS - Synthi A) mit drei TonOscillatoren, einem RauschOscillator, mehreren Filtern, einer Hallspirale (!), einem Hüllkurvengenerator und einem Ringmodulator. Dieser Ringmodulator, der live aufgenommene Instrumental- oder Vokalklangfrequenzen mit einer (unhörbaren) elektrischen Sinuston-frequenz dergestalt modulierte, dass man Summen- und DifferenzFrequenzen gleich-zeitig mit dem Live-Klang hören konnte, weckte meine Experimentierlust. Bei einer Aufführung meines Chorwerkes "Kyrie" saß Bertold Hummel selbst auf der Bühne und steuerte den Sinustongenerator, der den Live-Chorklang ringmodulierte. 

Hermann Beyer 2003

Keine Probenphase, keine Aufführung in Konzert und Oper geht bis heute vorbei, wo bei entscheidenden Fragen von Interpretation, deren kompositorischer Begründung und musikalischer Realisierung mir nicht Anregungen unseres Lehrers Bertold Hummel in den Sinn kommen. 

Christian Fröhlich 2002

Aus der Ferne tiefster Provinz nach Würzburg blickend war Bertold Hummel für mich, den damals Vierzehnjährigen, der erste Komponist „zum Anfassen". Und das ist er mir geblieben: ein Freund, der zuhörte, und dem ich zuhören wollte. 

Claus Kühnl 2002

B. Hummel war als Pädagoge einzigartig, weil er mehr war als dies. Nicht die musikalische Meisterklasse als Talentschmiede war sein Lebensraum, sondern der Mensch und das von ihm vermittelte Wissen stand im Mittelpunkt. Mit seiner bezugreich-farbigen "badischen" Bildsprache, seiner unvergesslichen Liebenswürdigkeit und sprachlichen Artikulation faszinierte er Generationen von Studenten. Er faszinierte deshalb, weil Musik für ihn immer mehr war als nur das Klingende; ein unaustauschbarer Spiegel von Leben und Denken, von Glauben, Vertrauen und Scheitern. 

Norbert Düchtel 2002

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