Tripartita für Orgel (op. 12, 1955)
I. Ostinato, II. Fantasia, III. Toccata
Orgel
Dauer: 11 Minuten
Max Kempf
N. Simrock Hamburg-London (Boosey & Hawkes) ISMN M-2211-1335-1
in einem Brief an Simrock am 25.9.1971: 1. Satz Tempoangabe: Viertel Note = 152
in einem Brief an Larry D. Crummer 1981: 1. Satz Tempoangabe: Viertel Note = 172 / 2. Satz: Achtel Note = 76-88 je nach Raumakustik / 3. Satz: die beiden letzten Takte pesante und großes ritardando - lange Fermate!
Die knapp bemessene "Tripartita" setzt zügig ein mit einem harmonischen Satz, der in seiner pausendurchbrochenen Syllabik über eine markante Pedalführung gebreitet ist. Formales Strukturmittel ist die Fundamentlinie; sie zählt zu einem Dreitonmotiv weitere Intervalle dazu, bis daß die vorausgeplante Summe nach einer Strecke von einundzwanzig Takten erreicht ist. Man denkt an Boris Blachers Technik von den variablen Metren. Der langsame Mittelsatz entsteht aus der Kombination dreifachen thematischen Materials. Herrscht eingangs die harmonische Färbung, so ist es jetzt vor allem die prägnant gezeichnete melodische Kontur, welche dominiert. Durch mannigfache Vertauschung und Umkehrung eröffnen sich immer wieder neue Perspektiven desselben Gedankens. Der dritte Satz ist als schnelles Laufwerk mit Tonrepetitionen und Oktavversetzungen manualiter und bis auf den Schluß einstimmig angelegt. Das neue Werk nimmt durch seine unverbrauchte frische Erfindungskraft gefangen. Die formale Gestaltungsweise ist in ihren Einzelheiten durchaus eigenwillig und benutzt keine abgegriffene Schablone, und die teils sehr geschärften Klänge sind mit so viel Ökonomie in Position gebracht, daß ihre Notwendigkeit beim ersten Hören geglaubt wird.
H.L. Schilling
Literaturliste des Deutschen Musikrates für den Wettbewerb "Jugend musiziert": Schwierigkeitsgrad 3-4/ mittelschwierig-schwierig (Mittelstufe I-II)
Die Tripartita op. 12 entstand vom 1. bis 10. Oktober 1955. Drei Sätze - schnell-langsam-schnell -, die auf dem Gestaltungsprinzip der variablen Metrik basieren. Im 1. Satz herrschen blockhafte Strukturen vor, ariose Elemente mit Kurzmotiven beherrschen den 2. Satz. Das nahezu einstimmige toccatenhafte Finale rundet das Werk virtuos ab.
Bertold Hummel
Bertold Hummel komponierte die Tripartita für Orgel im Jahre 1955. Sie besteht aus drei Sätzen: Ostinato, Fantasia und Toccata.
Dem ersten Satz liegt nicht nur ein melodisches Motiv zugrunde, das sich aus einer Keimzelle von 2 Tönen entwickelt und beständig wiederholt wird, sondern auch eine Taktfolge 3/4 - 5/4 - 7/4, die in dieser Anordnung von Anfang bis Schluß beibehalten wird. (doppelter Ostinato)
In der Fantasia, dem ruhigen zweiten Satz, umrahmt eine meditative Melodie drei verschieden strukturierte Strophen.
Die virtuose Toccata lebt aus den geschwinden Tonrepetitionen, die nur auf einer ausgezeichneten Orgel darstellbar sind. Charakteristisch sind hier die jeweils um einen Schlag sich verkürzenden und wieder wachsenden Takteinheiten - deutlich hörbar im Pedalmotiv.
Josef Trompke
Die Tripartita ist der Wiederholung und Variationstechnik verpflichtet. Schon die erste Satzbezeichnung Ostinato macht dies deutlich. Es wechseln sich hier über einem immer wiederkehrenden Taktschema (3, 5, 7) Akkordschichtungen und Läufe ab. Die harmonischen Elemente des ersten Teiles finden auch in der Fantasie Verwendung, die mit wenigen, kleinsten rhythmischen Motiven arbeitet. Ein Pedalmotiv, welches durch Taktverkürzung verändert wird, und eine Abfolge von Läufen, die sich durch Taktvergrößerung über den gesamten Manualumfang ausbreiten, sind die Bausteine der abschließenden, virtuosen Toccata.
Christian Weiherer (im booklet der CD "Orgelportrait St. Michael, Aichstetten)