Aphorismen über "B-A-C-H" für Schlagzeug solo und Streicher (op. 105, 2000)
I. Prolog, II. Burleske, III. Rezitativ und Choral, IV. Intermezzo, V. Coda
Streicher und Schlagzeuginstrumentarium: Vibraphon, Marimba, 4 Röhrenglocken, Kleine Trommel, Militärtrommel, 2 Bongos, 2 Tom-Tom, Basstrommel, Log drum, Große afrikanische Schlitztrommel, 5 Tempelblocks, 4 Becken, Nietenbecken, Glissandogong, Gong, Tamtam, Chimes (met.), Triangel, 4 Kuhglocken, Vibraslap, Trillerpfeife, 4 b-a-c-h gestimmte Trillerpfeifen
Dauer: 18 Minuten
Henning Kirsch | Hamburger Camerata | Max Pommer
Mell D. Csicsila | Trinity Chamber Orchestra | Daniel Hathaway
Titel: Aphorismen über B-A-C-H für Schlagzeug und Streicher op. 105 komponiert im Auftrag der Hamburger Camerata
Umfang: 25 Seiten
Datierung: I. 7.4.2000 II. 2.Aug.00 III. 8.5.2000 IV. 6.8.2000 V. 21.5.2000
Aufbewahrungsort: Bayerische Staatsbibliothek München
Vogt & Fritz VF 1309 ISMN-M 2026-1955-1
Genau diese Pfiffigkeit, dieser feine hintersinnige Humor, aber auch die Überlegenheit und Eigenständigkeit im Umgang mit Klängen und Rhythmen zeichneten Hummels "Aphorismen über B-A-C-H“ für Schlagzeug und Streicher, op. 105, aus.
Dieses fünfteilige Werk, das erstmals in Würzburg zu hören war, begeistert mit beeindruckenden Bildern und Formeln. Vier auf die magischen Buchstaben abgestimmte Röhrenglocken leiten im Prolog einen umwerfenden, farbenreichen von M. J. Pina-Arasa gestalteten Perkussions-Zauber ein, der in oft neckischen Wettstreit mit den Streichern tritt. In der Burleske wird dieses Fabulieren, dieses lustige Umherwerfen der vier Buchstaben „regelrecht abgepfiffen“ um der besinnlichen Zwiesprache des Chorals „O Haupt voll Blut und Wunden“ mit B-A-C-H Variationen Platz zu machen
Im vierten Satz durchgeistert das 1. Menuett aus dem Notenbüchlein der Anna Magdalena Bach das Spiel mit den vier Noten, das im letzten Satz leise verklingt. Riesiger Applaus für einen Abend, an dem man sich beschenkt fühlen durfte, Bravos für den phänomenalen Solisten.
Restlos begeisterten alle bei den "Aphorismen über B-A-C-H", ein Auftrragswerk von Bertold Hummel. Besonders Schlagzeuger Henning Kirsch brachte mit seiner hörens- und sehenswerten Performance den Saal zum Toben. Der Applaus wollte nicht enden.
"Das Stück könnte, ähnlich wie Hummels Schlagzeugkonzert op. 70, eine beliebte Repertoire-Bereicherung werden, denn es nutzt die Möglichkeiten des Metall-, Holz und Fellinstrumentariums attraktiv aus." "Der Spieler wird technisch herausgefordert, der Hörer wird erstklassig unterhalten..."
Einzelinstrument Instrumentalwerk Opus-Werkverzeichnis Percussion Soloinstrument mit Kammerorchester
Die "Aphorismen über B-A-C-H" für Schlagzeug solo und Streicher op. 105 entstanden im Auftrag der Hamburger Camerata im Jahre 2000.
In 5 Sätzen ist die Tonfolge B-A-C-H allgegenwärtig (in Grundgestalt, Umkehrung, Krebs und Krebsumkehrung, sowie deren Transpositionen).
1. Vier Röhrenglocken (B-A-C-H), kommentiert von Metall- und Holzklängen, eröffnen den Prolog; das "Thema", von Marimba und Violinen vorgestellt, erfährt in der Folge eine Anzahl von Metamorphosen, bis gegen Ende die vier Röhrenglocken den Schluss dieses Satzes signalisieren, der im äußersten pianissimo verklingt.
2. Die Burleske überträgt das "Thema" gestisch auf Holz- und Fellinstrumente in einem turbulenten Dialog mit den Streichern, die teilweise auch als Schlaginstrumente fungieren. Das groteske Spiel wird regelrecht abgepfiffen.
3. Im 3.Satz (Rezitativ und Choral) steht der Choral "O Haupt voll Blut und Wunden", von den Streichern vorgetragen, in Spannung zu den Rezitativen des Schlagzeugs, die aus dem B-A-C-H-Material gewonnen sind.
4. Das lntermezzo bringt quasi wie ein Vexierbild das 1.Menuett aus dem Notenbüchlein der Anna Magdalena Bach als Erinnerung an meine erste Begegnung mit Bachscher Musik, eingebettet in vielerlei Varianten des Hauptthemas.
5. In der Coda ist ein samtener Marimba- und Streicherklang vorherrschend. Eine kurze Passacaglia mündet in einen 12-stimmigen Akkord, in dessen Ausklang noch einmal die Röhrenglocken mit dem B-A-C-H-Motiv einschwingen. Sehr leiser Schluss mit einem fast unmerklichen Streicherglissando.
Bertold Hummel
Obwohl schon zahllose Komponisten sich des B-A-C-H - Motivs angenommen haben, ist es dem Würzburger Komponisten Bertold Hummel gelungen, dieses in seinem jüngsten Werk „Aphorismen“ für Schlagzeug solo und Streichorchester nicht abgenützt erscheinen zu lassen.
Die Komposition wird mit einem Prolog eröffnet. In den ersten Takten stimmt der Solist mit Röhrenglocken, Becken, Gongs, Schlitztrommel, Templeblocks, Windchimes und Vibraphon auf die folgende Verarbeitung des Themas ein. Dieses erscheint dann in langen Noten gespielt von Marimba, Violinen und Kontrabässen, jedoch von Pizzicato-Ganztonschichtungen der übrigen Instrumente überlagert, bevor es dann die verschiedensten rhythmischen und klanglichen Veränderungen erfährt. Bratschen und Violoncelli sind dabei einmal, die Violinen achtmal geteilt.
Die schwungvolle Burleske wird von tremolierten Akkorden eingeleitet und wird dann von einem munteren Wechselspiel zwischen Solist und Orchester bestimmt. Als witzigen Gag lässt Hummel am Schluss des Satzes das Thema von vier im Raum verteilten gestimmten Trillerpfeifen ertönen.
Dem dritten Satz (Rezitativ und Choral) liegt der Bachchoral “O Haupt voll Blut und Wunden“ zugrunde. Dem Vibraphon, farblich angereichert durch Tamtam, Triangel Holztrommel, Glissandogong und verschiedene Becken, kommt hier die Rolle des Rezitators zu.
Im schwungvollen Intermezzo dominieren Templeblocks, verschiedene Trommeln und Vibraphon das Geschehen.
Die ruhige Coda beginnt wieder mit dem Viertonmotiv in vierstimmigem Akkordsatz auf der Marimba tremoliert. Ansonsten kommen im Solopart nur Metallklänge zum Einsatz, welche die motivische Verarbeitung des Streichorchesters untermalen. Das Stück endet mit überlagerten HDur und A-Dur Dreiklängen, denen durch das Schlußglissando der Streicher noch C-Dur und BDur hinzugefügt werden.
Das siebzehnminütige Werk stellt eine aparte Bereicherung der Literatur für Schlagzeugsolisten dar und wurde schon bei der Hamburger Uraufführung im November 2000 mit Henning Kirsch als Solisten ein großer Publikumserfolg.
Es ist erschienen beim Schweinfurter Musikverlag Vogt und Fritz und wird als Komplettsatz für ca. 50 Euro angeboten.
(Aus dem Katalog des Musikverlages Vogt & Fritz)