BERTOLD HUMMEL - Texte zu den Werken: opus 38


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Fresken 70 für Schlagzeugquartett, op. 38 (1970)


I. Introduktion

II. Kontrapunkt

III. Rubato

IV. Polymetrie

V. Finale Konklusion

 

Uraufführung: 9.Juli 1970, Moskau
Schlagzeugensemble des Bayerischen Staatskonservatoriums Würzburg / Siegfried Fink

Aufführungsdauer: 12 Minuten

Verlag: N. Simrock Hamburg-London (Boosey & Hawkes)
Partitur: ISMN M-2211-0737-4
Stimmen: ISMN M-2211-0738-1

Literaturliste des Deutschen Musikrates für den Wettbewerb "Jugend musiziert":
Schwierigkeitsgrad 4/ schwierig (Mittelstufe II)

Thorofon CTH 2233

 

Das im Jahre 1970 entstandene Werk versucht kammermusikalische Denkweisen auf ein Percussionsinstrumentarium zu übertragen. Jeder der vier Spieler bedient ein Mallettinstrument, dazu eine beschränkte Anzahl von Fellinstrumenten, sowie ausgewählte, aufeinander abgestimmte Idiophone aus Holz und Metall.

Im 1. Satz (Introduktion) erklingen lediglich Malletts: Vibraphon, Marimba, Xylophon und Glockenspiel. Jedem der vier Instrumente wird die Möglichkeit gegeben, sich vorzustellen.

Im 2. Satz (Kontrapunkt) werden zunächst nur Fellinstrumente vorgestellt. Im Mittelteil treten Holzidiophone hinzu. Im Unisono erklingt zunächst der nachfolgende vierstimmige Kanon, der in einen Orgelpunkt mündet. Eine kurze Reprise der Fellinstrumente - vom Themenkopf des Kanons unterbrochen - beschließt den Satz.

Im Rubato (3. Satz) treten zu Malletts und Holzidiophonen erstmals Metallidiophone. Klangflächen und kurzmotivische Engführungen bestimmen diesen Satz.

In der Polymetrie (4. Satz) werden drei verschiedenartige strukturierte rhythmische Modelle übereinandergelagert (Fell-, Holz- und Metallidiophone) und dynamisch gegensätzlich geführt. Darüber liegt ein Vibraphonsolo mit Steigerungstendenz. Auf dem Höhepunkt angelangt, bricht das Solo ab, der polymetrische "back-ground" löst sich auf und verflüchtigt sich.

Der 5. Satz (Finale-Konklusion) führt das gesamte Instrumentarium zusammen. Ein glockenartige "Motto" gliedert den Rondosatz, der durch Kadenzen (Vibraphon und Marimba) unterbrochen wird. Man kann diesen Satz auch als Durchführung der im ganzen aufgetretenen Gedanken auffassen.

Bertold Hummel

 

Im Mai 1981 äußerte sich Bertold Hummel in einem Brief an den Freund und Dirigenten Günther Wich, dass er sich seine Fresken 70, op. 38 auch in einer choreographierten Interpretation vorstellen könnte.

 

Presse

Tageblatt Heidelberg 25.11.1980

An Farbfülle und Rhythmenreichtum singulär, hielt Hummels "Fresken 70"-Zyklus die Spitze dieser 90 Minuten. Einer Summe zeitgenössischer Percussionsmusik vergleichbar, gehen hier Experimentierfreude und Klangbefriedigung Hand in Hand, crescendieren die Aufgaben der Spieler zu orchestralem Miteinander, weht ein Enthusiasmus durch die Kirche, der sonst der Avantgarde wegen ihrer Verbissenheit abgeht.


Neue Osnabrücker Zeitung 13.1.1982

Die Fresken 70 erwisen sich als faßliche, superb klingende, wechselreich konzipierte Spielmusik. In weiser Beschränkung auf knappe, übersichtliche Formen gewinnt der Komponist dem großen Schlagwerk-Arsenal Farbe und zeichnerische Möglichkeiten ab. Die mit imitatorischen Episoden durchsetzte, von "Akkordsäulen" eröffnete Introduktion, die linear legitmierten Detonationen des Kontrapunkt, die magisch-expressiven Momente des Rubato, die pittoresken Entwicklungen der Polymetrie und die aus den Instrumental-Charakteren erwachsenden Kontraste der Konklusio bergen neben hohen technischen Ansprüchen Brillant-Effekte, die von den vier Akteuren Amthor, Ort, Römer und Schneider in traumwandlerischer Sicherheit der Pointierung und des Zusammenwirkens ausgespielt wurden.


Salzburger Nachrichten 2.3.2001

Die Sinnlichkeit kommt in Bertold Hummels "Fresken 70" tatsächlich "al fresco" heraus.


Berliner Tagesspiegel 27.91979

Erstaunlich gelingt es Hummel hier, kammermusikalische Spiel- und Ausdrucksweisen auf das Percussions-Instrumentarium zu übertragen und pointierte farbenreiche Stücke zu schaffen, die aus dem Xylophon-Vibraphon-Triller herauswachsen.


Rhein-Neckar-Zeitung 5.11.1979

Hummel führt in seinen "Fresken 70" die wichtigsten Klangmaterialien des Schlagzeugs der Reihe nach und zum Schluß zusammen vor; ein Schulwerk im besten Sinne vor allem für den Hörer, das im letzten, mit Solokadenzen virtuos bereicherten Satz brillant und schlagfertig musiziert wurde.


Bergsträßer Anzeiger 14.10.1980

Von äußerster dynamischer Bandbreite waren Bertold Hummels "Fresken 70" für Schlagzeug-Quartett geprägt, die mit ihren zahlreichen Trillern, Glissandi und extrem ausgedehnten Lautstärke-Kontrasten gerade in dem fernöstliche anmutenden abschließenden, mit "Konklusion" überschriebenen Teil hohe Anforderungen an die Instrumentalisten stellte.


Lahrer Zeitung 28.10.1985

In der eigenwilligen Klangästhetik dieses fünfsätzigen Tonwerkes verwirklichte das Quartett gekonnt klar und logisch gegliederte Klangmischungen, die im letzten Satz eine großartig angelegte Zusammenfassung erlebten. Bei den Mischungen der Klänge konnte man schon von Klangmelodien sprechen, und die anspruchsvolle Polythythmik gedieh zu rhythmischer Kontrapunktik.