Franz Stemmer (29. November 1898 Heudorf/Hegau - 14. März 1974 Liptingen)


Zurück zur Verzeichnisliste

Meine Werke für die menschliche Stimme konzentrierten sich während meiner Kantorenzeit in Freiburg und später in Würzburg auf die Komposition einer großen Anzahl von liturgisch gebundenen Motetten, Chorälen und Gesängen, wobei - nicht zuletzt - die persönlichen Kontakte zu den Domkapellmeistern Franz Stemmer (Freiburg i.Br.), Franz Fleckenstein und Siegfried Koesler (Würzburg) erwähnt werden müssen, die mich immer wieder beauftragten, für ihre Chöre Musik zu schreiben und auch für die Liturgie neue Gesänge zu entwerfen.

Bertold Hummel 1998


Franz Stemmer ist ab 1948 Dozent für katholische Kirchenmusik an der neugegründeten Hochschule für Musik in Freiburg. Dort wird er Bertold Hummel kennen gelernt haben. Er ist ein wichtiger Förderer des jungen Komponisten und bringt dessen Missa brevis op. 5a bei den Donaueschinger Musiktagen am 12. Oktober 1952 zur Uraufführung. Zwei Wochen später veranstaltet er am 27. Oktober 1952 ein Geistliches Konzert im Freiburger Münster, bei dem ausschließlich geistliche Werke des 27jährigen aufgeführt werden. Stemmer vermittelt ihm auch den finanziell attraktiven Auftrag, für das neue Orgelbuch MAGNIFICAT der Diözese Freiburg im Breisgau (1960) ca. 400 Kirchenlieder neue Orgelsätze zu komponieren. Um diese so praxisnah wie möglich zu gestalten, besuchen Stemmer und Hummel gemeinsam eine Zeit lang Gottesdienste in der näheren Umgebung Freiburgs und machen sich ein Bild vom Können der meist als Laien musizierenden Organisten.


Werke, die  von Franz Stemmer uraufgeführt wurden

MISSA BREVIS für Chor und Bläser op. 5a

OFFERTORIUM für gemischten Chor und Bläser op. 5b

DE PROFUNDIS für Alt und Holzbläser op. 5c

OFFENBARUNG NEUEN LEBENS für Alt-solo, Chor und Kammerorchester op. 8


Franz Stemmer und Bertold Hummel, Freiburg 1962


Biografie
Stemmer Franz, Domkapellmeister. Geb. 28. 11. 1898 in Heudorf (Hegau); ord. 5.4. 1925; Vikar in Gaggenau, Karlsruhe; Präfekt in Freiburg; Studium der kath. Kirchenmusik in Karlsruhe; 1933 Choral-Repetitor am Collegium Borromäum und Assistent des Domkapellmeisters; 1934 Domkapellmeister; 1969 Ruhestand. Gest. 14. 3. 1974, beerd. in Liptingen.
35 Jahre von 1934 bis 1949 umfaßte die Tätigkeit von Monsignore Professor Franz Stemmer als Domkapellmeister und Choral-Lehrer am Collegium Borromäum, die sich noch durch die Berufung als Diözesanpräses des Cäcilien-Vercins im Jahre 1943 und als Dozent an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg im Jahre 1948 erweiterte. Diese umfangreiche Arbeit im Dienste der Musica sacra war eingebunden in eine gläubige Frömmigkeit, die seine künstlerische und priesterliche Tätigkeit zu einem erfüllten Leben gemacht haben.
Im stillen Heudorf im Hegau als Sohn eines Lehrers und Chorregenten am 28. 11. 1898 geboren, machte er seine Gymnasialstudien in Konstanz, wo er bereits als Schüler des Conradi-Hauses durch die Tätigkeit als Dirigent und Organist auf seine besondere musikalische Begabung aufmerksam machte, die er auch nach seinem Kriegseinsatz von 1917 bis 1918 während seiner theologischen Studien in Freiburg als Dirigent des Alumnen-Chores und als Organist ausübte. Dieses auffallende musikalische Talent bewog dann die Kirchenbehörde, nach einigen Jahren seelsorgerlicher Tätigkeit als Vikar in Gaggenau und Karlsruhe wie als Präfekt am Knaben-Konvikt in Freiburg Kaplan Stemmer aufzufordern, sich für eine musikalische Ausbildung an dem neu errichteten Institut für Katholische Kirchenmusik am Konservatorium in Karlsruhe unter Leitung des bekannten Freiburger Komponisten Professor Franz Philipp zu entschließen. Nach zweijährigem Studium legte er sein kirchenmusikalisches Examen im Jahre 1933 bei Professor Philipp mit großem Erfolg ab, mit dessen musikalischem Schaffen er zeitlebens verbunden blieb und einige seiner kirchenmusikalischen Werke in einer Uraufführung im Münster zu Freiburg herausbrachte. Im gleichen Jahr berief ihn die Kirchenbehörde als Choral-Repetitor an das Collegium Borromäum und als Assistent des Domkapellmeisters Carl Schweitzer an das Münster Unserer Lieben Frau nach Freiburg. Hier gelang es ihm nach einem Neuaufbau des Dom-Chores dank seines musikalischen Temperamentes und seiner leutseligen und herzlichen Aufgeschlossenheit, in wenigen Jahren diesen Chor zu einem der besten in der Erzdiözese heranzubilden, dessen Erfolge bei der Generalversammlung des Deutschen Cäcilien-Verbandes 1936 in Freiburg auch über die Grenzen der Diözese bekannt wurden.
Das musikalische Repertoire umfaßte Werke Palästrinas, der Wiener Klassiker wie auch die modernen Komponisten eines Fr. Philipp, H. Schröder, Th. Rehmann, B. Hummel u. a. Seine besondere Liebe aber galt den Werken Anton Bruckners, von denen viele unter seiner Leitung zum ersten Male im Münster zur Aufführung gelangten. Diese fruchtbare Arbeit wurde durch die Kriegsjahre und die am 27. November 1944 erfolgte Zerstörung der Stadt Freiburg, bei der auch das Münster in Mitleidenschaft gezogen wurde, unterbrochen, wodurch gottesdienstliche Feiern im Münster längere Zeit nicht möglich waren. Zu einem unvergeßlichen Erlebnis wurde die Aufführung des Oratoriums "St. Elisabeth" von Franz Philipp am 18. November 1945, als durch die offenen Fenster des Münsters Nebelschwaden des November hindurchzogen, inmitten der Trümmer einer über die Hälfte zerstörten Stadt Freiburg.
Die Berufung als Diözesanpräses des Cäcilienvereins 1943 gab Professor Stemmer Gelegenheit, sein musikalisches und erzieherisches Talent in den Aufbau der Kirchenmusik der Erzdiözese zu Stellen. In zahlreichen Kursen für die Heranbildung der Lehrer und Laien zu Chorleitern und Organisten, verbunden mit den zahlreichen kirchenmusikalischen Feierstunden in den einzelnen Dekanaten, bildeten die Grundlage für ein reiches musikalisches und liturgisches Leben für die Erzdiözese Freiburg. Die Ernennung zum Päpstlichen Geheimkämmerer wie die Verleihung des Professorentitels durch die badische Regierung waren der Ausdruck der Anerkennung von seilen der Kirche wie des Staates für seine erfolgreiche Arbeit im Dienste der Musica sacra und des kulturellen Aufbaues im öffentlichen Leben der Stadt Freiburg.
Als Glocken-Inspektor und Referent für den Orgelbau in der Diözese war seine besondere Sorge, den Orgelbau vor dem Eindringen elektronischer Orgeln zu bewahren. Das herrliche Geläute der 15 Glocken des Freiburger Münsters ist seiner Initiative zu verdanken. Durch seine Erfolge berief ihn der Generalpräses des Cäcilienvereins des deutschen Sprachgebiets in den Musikrat, dem er auch als Mitglied der "Consociatio internationalis musicae sacrae" (CJMS) mit dem Sitz in Rom bis zu seiner Erkrankung angehörte.
Die Belastung dieses Übermaßes an musikalischer wie organisatorischer Arbeit hatte frühzeitig seine Gesundheit geschwächt. Ein Augenleiden, das eine zweimalige Operation erforderlich machte, zu dem noch ein Herzleiden hinzukam, zwangen Professor Stemmer im Jahre 1969 die Behörde zu bitten, ihn vom Amt des Domkapellmeisters zu entbinden.
Die letzten Jahre bis zu seinem Tode waren für ihn eine große Leidensschule, in die ihn Gott hineinnahm, nachdem durch einen Schlaganfall ihm die letzten Möglichkeiten öffentlicher Arbeit als Glocken- und Orgelinspektor genommen wurden. Was aber seine letzten Jahre als Musiker besonders schwer machten, war die Erkenntnis des Zusammenbruchs eines großen Teils seiner Arbeit, was durch die Neuerungen in liturgischer und musikalischer Hinsicht durch das II. Vatikanische Konzil ausgelöst wurden, die er aber nicht mehr mitvollziehen konnte. Die in der seelsorgerlichen Praxis einseitig durchgeführte deutsche Liturgie verdrängte in den Gemeinden das Choralsingen immer mehr, und der Wegfall lateinischer Ämter hatte die Auflösung zahlreicher Kirchenchöre zur Folge, die er als Präses des Cäcilienvereins mit großer Mühe aufgebaut hatte.
Diese Ereignisse waren neben seinen körperlichen Leiden für ihn als Vollblutmusiker ein inneres Leiden, von dem ihn der Tod am 14. 3. 1974 erlöste.
In Liptingen fand Professor Stemmer nach einem testamentarisch festgelegten Choralrequiem, zelebriert durch den hochwürdigen Herrn Weihbischof Gnädinger, neben dem Grab seiner Mutter seine letzte Ruhestätte.

Carl Winter (aus:Necrologium Friburgense 1971-1975, Verzeichnis der in den Jahren 1971-1975 verstorbenen Priester der Erzdiözese Freiburg, Sonderdruck aus dem Freiburger Diözesan-Archiv 97.Band, Dritte Folge - Neunundzwanzigster Band, 1977)